2017

Das diesjährige Festival Im Zentrum/V centru  fand vom 1. bis einschließlich 3. Juni 2017 in Jeseníky/Altvater in Tschechien statt und war Teil des
Deutsch-Tschechischen Kulturfrühlings 2017.

KünstlerInnen, SchriftstellerInnen und MusikerInnen eröffneten zusammen mit Einheimischen und Zeitzeugen (deutsche und tschechische) einen Raum für Begegnungen in der Region Jeseníky/Altvater. Der Auftakt Im Zentrum im vergangenen Herbst zeigte, wie groß das Interesse bei Teilnehmern und Besuchern auf deutscher und tschechischer Seite ist, die kulturelle Identität und auch das Wissen über diese jahrhundertelang gewachsene Nachbarschaft von Deutschen und Tschechen im Land wieder neu zu entdecken und bewusst zu machen.

Bestärkt durch die durchweg positive Resonanz auf die Veranstaltung 2016, setzten wir das Festival mit einem vielfältigen Programm im Juni 2017 fort. Es umfasste Lesungen, Konzerte, Ausstellungen, ortsbezogene Performances und Interaktionen im öffentlichen Raum.

Schlosspark Vlčice/Wildschütz

Der Park in Vlčice/Wildschütz bei Javorník/Jauernig aus dem 18. Jahrhundert, seit Kriegsende brachliegend, soll jetzt unter Einbeziehung historischer Pläne für die Öffentlichkeit attraktiv gemacht werden. Die Festivalreihe Im Zentrum setzt hier an und lud deutsche und tschechische KünstlerInnen ein, dieses weitgehend verwilderte Gelände wieder zum Leben zu erwecken.

In der ehemals kultivierten, heute verlassenen Schlossparklandschaft Vlčice/Wildschütz entwarf Lucia Dellefant (München/DE) in Zusammenarbeit mit einheimischen Schülern, dem Geo-Botaniker Jan Albert Šturma (Liberec/CZ) und der Künstlergruppe REZ (CZ) eine Wanderkarte Unser Park, die zu verborgenen und zu entdeckenden Plätzen und Schätzen führt. Klangkünstler Kalle Laar (Krailling/DE) hat in Zusammenarbeit mit lokalen Schülern die telefonische Verbindung Calling Vlčice/Wildschütz installiert, die uns akustisch Klänge und Geräusche aus dem Park übermittelt.

Georgs-Halle/Tančírna in Račí údolí/Krebsgrund
In der historischen Georgs-Halle/Tančírna in Račí údolí/Krebsgrund lasen deutsche und tschechische SchriftstellerInnen, die inhaltlich und/oder biographisch in Beziehung zu Tschechien und/oder Jeseníky stehen, aus ihrem Werk, u.a Kateřina Tučková (*1980, Brno/CZ), Radka Denemarková (*1968, Praha/CZ) und Radek Fridrich (*1968, Děčín/CZ). Werner Fritsch (*1960, Berlin/DE) trat mit seinem Theaterstück Nico: Sphinx aus Eis auf; Hans-Peter Kunisch (*1962 in CH, Berlin/DE) stellte ein Kapitel aus seinem zweiten Roman Der Deserteur über das Leben seines sudetendeutschen, aus einem Dorf nahe Krnov/Jägerndorf stammenden Vaters vor.

Anton Petz (München/DE) griff als Maler und Zeichner in Wir/die Anderen Themen aus Nachrichten und alltäglichen Situationen in der Region auf, die er auf öffentlichen Plakatwänden der Region mit Vergangenheit und Gegenwärtigen verwebte. Eine Auswahl der Bilder war in der Tanzhalle zu sehen.

Im Salon der Georgs-Halle zeigte der Fotograf Sebastian Weise (Halle/DE) eine kleine Auswahl seiner Arbeiten Zwei Seelen wohnen mit Motiven zu Familiengeschichten des untergegangenen Sudetenlands.

DJ Kalle Laar präsentierte mit seinem Temporary Soundmuseum selten gehörte Vinyl-Schallplatten aus CZ und analysierte sie als zeitgeschichtliches Quellenmaterial.

Die Musik-Video-Wort-Performance Bilder eines gewissen Hieronymus Pavlik (1865 -1938 Rejviz/Reihwiesen) von Frank Sauer (München/DE), musikalisch begleitet von Lukáš Morávek (Zalesi/CZ) – in Zusammenarbeit mit der Kunstschule Jeseník – Musikdepartment – erweckten die lyrische Welt des völlig in Vergessenheit geratenen Priester und Chronisten Hieronymus Pavlik zu neuem Leben. In mystischen, märchenhaften Reimen besang er die Landschaft und den Zauber, den er dort spürte.

Konzerte und Jam Sessions der Musiker Bratři Orffové (Krnov/CZ); Thomas Maos (Tübingen/DE), Lukáš Morávek (Zalesi/CZ) und Almela (Praha/CZ) u.a. bildeten weitere Programmhöhepunkte.

Die gemeinnützige Organisation Antikomplex berichtete anschaulich über ihre langjährige kritische Reflexion der Geschichte Tschechiens. Der thematische Schwerpunkt lag auf den ethnischen Säuberungen der Nachkriegszeit, dem Schicksal der Landschaft und der Gesellschaft im ehemaligen Sudetenland.

Zalesi/Waldek
Die Video-Musik-Performance Rites de passage von Manuela Hartel (München/DE) ließ die im Jahr 1989 zerstörte Kirche von Zalesi inmitten ihrer Ruine multimedial und temporär wieder entstehen. Die Performance setzte sich mit dem Kulturort als Raum für Gebet und Hoffnung auseinander. Sie wurde musikalisch begleitet von Jaroslav Kořán (Praha/CZ). Die Nachempfindung des Altarraums durch die Künstlergruppe REZ (Michal Mihalčík und Jakub Kročil, Architekten) verbleibt als permanente künstlerische Installation am Ort.

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